20 Jahre Hamburger Bildungsserver

Seit 1997 ist der Hamburger Bildungsserver (HBS), die pädagogische Plattform für Lehrende und Lernende in Hamburg, online. Wie ist alles entstanden? Wie hat sich der HBS entwickelt? Hier ein kurzer Rückblick:

20 Jahre Hamburger Bildungsserver

20 Jahre HBS

 

Liebe Freunde des HBS,

der Hamburger Bildungsserver feiert heute sein 20jähriges Bestehen. 20 Jahre im wirklichen Leben, damit ist gerade mal der Beginn des Erwachsenenlebens erreicht; im schnelllebigen Internet befinden wir uns aber schon mitten im Erwachsenalter.

Die Anfänge

Die Geburtsstunde des HBS war der 11. Juni 1997. Der HBS war von der Schulbehörde dem damaligen Landesmedienzentrum zugeteilt worden. Und er existierte als Verein Hamburger Bildungsserver e.V. Dr. Joachim Paschen, der Leiter des Landesmedienzentrums, war der 1. Vorsitzende des Vereins. Der Server des HBS fand einen Platz im Rechenzentrum der Universität Hamburg.

Das Gesicht des HBS war zunächst sehr schlicht. Zur offiziellen Gründung schmückten die Seiten des HBS aber  immerhin schon ein Logo, das ihn bis zum Ende des letzten Jahrhunderts begleiten sollte. Das Segel war schon damals das zentrale Motiv.

Die erste Homepage des HBS Abb.1: Die erste Homepage des HBS

Wie es bei kleinen Kindern so ist, orientierte sich der HBS an einem großen Vorbild. Und das war damals der Bildungsserver learn:line in Nord-Rhein-Westfalen. Nach diesem Vorbild wurden sog. Arbeitsbereiche angelegt, deren Startseiten Infothek genannt wurden; es gab Workshop-Portale für die Mitarbeit und Schwarze Bretter für lobende und kritische Worte.
Was das Baby zu sagen hatte, sollten aber Hamburger Botschaften sein. Die Arbeitsbereiche wurden mit Inhalten von Hamburger Einrichtungen oder mit starkem Hamburg-Bezug ausgestattet. Das Deutsche Klimarechenzentrum und das Max-Planck-Institut für Meteorologie spielten als Materiallieferanten eine besondere Rolle. Aber auch die Hamburgischen Elektrizitätswerke, Hein Gas, das Statistische Landesamt und andere Anbieter waren wichtige Partner.

In dem früh formulierten Pädagogischen Konzept wurde ein klares Entwicklungsziel benannt: die Unterstützung der Unterrichtsarbeit an den Schulen. Lehrerinnen und Lehrer waren die primäre Zielgruppe, später kamen Schüler und Eltern hinzu.
Um die Jahrhundertwende ergriff der HBS die Initiative für die redaktionelle Zusammenarbeit mit anderen Bildungsservern, die bis heute existiert und die HBS-Redakteure jährlich in andere Bundesländer führt. Eine technische Kooperation gab es schon von Anfang an. Uwe Debacher und Bernd Burre besaßen das nötige Know How, um den HBS technisch gut aufzustellen. Sie bekamen Unterstützung durch zwei Studenten des MPI und eine professionelle Firma für Webdesign.

Der HBS mit neuem Logo und einer KopfnavigationAbb.2: Der HBS mit neuem Logo und einer Kopfnavigation

Als erstes bekam der HBS neue Kleider: ein neues Logo und einen Navigationsbalken, von dem aus bequem die einzelnen Bereiche zu erreichen waren. Weiterhin griff der HBS Hamburger Themen auf und stellte seine besonderen Angebote heraus. Und schon in diesen jungen Jahren engagierte sich der HBS in zahlreichen Nebentätigkeiten: Seine Mitarbeiter gaben Einführungsseminare in die Internetnutzung und die Gestaltung von HTML-Seiten und bildeten Schulleiter in der Aufsicht von Schulhomepages aus. Und er suchte den Kontakt mit der Jugend: Mit „fish-News online“ schuf er in Zusammenarbeit mit Hamburger Schülerinnen und Schülern die erste schulübergreifende Schüler-Online-Zeitung in Hamburg. Und zunehmend versuchte der HBS, den Unterricht in den Schulfächern mit Materialien aus dem Internet zu unterstützen.

Der HBS bei hamburg.de

Dann kam die Zeit des ersten großen Umbruchs. Der Regierungswechsel in Hamburg 2001 brachte Umstrukturierungen in den Bildungsinstitutionen mit sich. Die bisherige Heimat des HBS, das Landesmedienzentrum, wurde aufgelöst. Dort angesiedelte Abteilungen gingen an das neu gegründete Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Der HBS jedoch wurde im Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Behörde für Bildung und Sport angesiedelt. Dort wurde unter der Leitung von Eike Buba die Zuständigkeit für das Internet, das Intranet und auch für den Hamburger Bildungsserver gebündelt. Der HBS wurde hier als die zentrale pädagogische Internetplattform in der Hamburger Bildungslandschaft definiert.

In technischer Hinsicht war die Zeit der Notlösungen vorbei. Der Server des HBS wird vom Rechenzentrum der Universität, wo die Eigenbetreuung zunehmend schwieriger zu organisieren war, in das Rechenzentrum von hamburg.de verlegt. Neben anderen Vorteilen brachte das vor allem eine größere Sicherheit für den Serverbetrieb mit sich - und nicht zuletzt eine hervorragende statistische Auswertung, die sich für die redaktionelle Arbeit als sehr hilfreich erwies.

So ging der HBS aus den strukturellen Änderungen dieser Jahre gestärkt hervor, auch wenn sich das nicht gleich in seinem Äußeren zeigte. 2006 erhielt dann der Auftritt ein neues Design, mit einem neuen Logo, einer Kopfnavigation in Anlehnung an das Hamburger Kommunikationsmuster und der Dreispaltigkeit auf der Startseite. Der HBS war aber immer noch HTML-basiert und damit in der Internet-Geschichte „Steinzeit“ (E. Buba), denn längst galt ein Content Management System (CMS) als Stand der Dinge für die Erstellung von Webseiten.

HBS bei Hamburg.deAbb.3: Der HBS um 2003 mit Kopf- und Seitennavigation, Hamburg-Motiv und Dreispaltigkeit

Dennoch entwickelte das Redaktionsteam den Server inhaltlich weiter nach vorn. Und das, obwohl die Personalausstattung mit 2,6 und bald darauf mit nur noch 1,6 Stellen denkbar knapp war. Ermöglicht wurde das nicht zuletzt durch das Engagement der Mitarbeiter und das Konzept, für viele Aufgaben Honorarkräfte zu beschäftigen. Das Angebot des HBS deckte nahezu alle Unterrichtsinhalte von der Vorschule bis zum Abitur ab. Das Sprachenangebot war schon damals in der deutschen Bildungsserverlandschaft einmalig und zeichnet sich besonders durch seltenere, aber keineswegs unwichtige Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, Russisch, Türkisch, Niederdeutsch u.a. aus, wie es sich für den Webauftritt in einer Weltstadt gehört. Angeschoben wurde dieses Angebot von Wolfgang Stanik und später von Lubica Kasang weiter ausgebaut.

SprachenangebotAbb.4: Das Sprachenangebot des HBS

Die Einführung neuer Abschlussprüfungen und des Zentralabiturs stellte das Team des HBS vor neue Herausforderungen, die bis heute anhalten. Mit großem Engagement versuchten die Mitarbeiter/-innen des HBS die Nutzer  mit umfangreichen Materialsammlungen zu den jeweiligen Prüfungsthemen termingerecht zu bedienen. Einen großen Entwicklungsschritt machte der Bereich Grundschule, für den sich vor allem Monika Schlottmann verdient machte: Fast in allen Fächern, die in der Grundschule unterrichtet werden, gab es bald ein hochwertiges Angebot.

Auch in dieser Phase beschränkt sich das Aufgabenfeld der HBS-Redaktion nicht auf die reine Serverarbeit. Der HBS initiierte unter der Leitung von Eike Buba die Einführung des neuen Schul-CMS, eines Content-Management-Systems für die Hamburger Schulen, und war wesentlich an dessen Entwicklung und Einführung beteiligt. Dank zahlreicher vom HBS-Personal durchgeführter Fortbildungen war bald die Mehrheit der 450 Hamburger Schulen mit dem Schul-CMS der Firma Spot-Media ausgestattet. Leider war die Finanzierung nicht nachhaltig gesichert, so dass Spot-Media 2012 den Support einstellte und ab 2013 den Schulen der Umstieg auf das gratis verfügbare System WordPress angeboten wurde.

Kopf der Stadtteilschule BarmbekAbb.5: Kopf der Startseite der Stadtteilschule Barmbek im neuen Design des Schul-CMS

Ebenso wurde die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver weiter vertieft. Auf der Grundlage des eigenen Angebots entstand so das Bildungswiki „Klimawandel“, das als Web 2.0 zur Mitarbeit einlud und bald zu der meistgenutzten deutschsprachigen Plattform zum Thema Klimawandel wurde. Die Einführung des semantischen Web, das die Artikel der Plattform nach bedeutungstragenden Kriterien verknüpfte, sowie die Verlinkung mit dem Klimadatenangebot auf dem HBS erweiterten die Nutzungsmöglichkeiten dieses Angebot.

Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Landesbildungsservern wurde weiterentwickelt. Besonders ragt dabei das von Monika Schlottmann betreute Projekt Mauswiesel hervor, bei dem es sich um eine Selbstlernplattform mit Webquests und Lernpfaden für Grundschüler handelt. Neben dem HBS hat sich hier besonders der Hessische Bildungsserver engagiert.

Der HBS als CMS-Server

Inzwischen steuerte der HBS auf den zweiten großen Umbruch in seiner Geschichte zu, auf die aufwändige Migration seiner äußerst umfangreichen Inhalte aus der HTML-Welt in das Content Management System CorMedia von hamburg.de. Die kuriose Situation, dass der HBS die Hamburger Schulen mit einem CMS versorgte, auf ihm selber aber immer noch in HTML gearbeitet wurde, sollte endlich ein Ende finden. Planung und Vorbereitung dieses gewaltigen Vorhabens hatte bereits Eike Buba angeschoben. Unter seinem Nachfolger Wolfgang Stanik konnte dann 2011 die Migration endlich realisiert werden. Mithilfe einer Mitarbeiterin von hamburg.de und zahlreicher Studenten der HAW wurden Tausende von Seiten und Bildern und Zigtausende von Links in das neue System eingepflegt. Die Arbeit mit dem CMS war nicht selbst erklärend, so dass die HBS-Redakteure eine entsprechende Fortbildung von der Senatskanzlei erhielten. Die neue Arbeitsumgebung mit ihren ungewohnten Strukturen und Funktionen erforderte einiges an Umstellung. Das Ergebnis sah allerdings dann auch wesentlich professioneller aus. Das System arbeitete jedoch  recht langsam, was 2015 durch einen neuen Relaunch behoben wurde, der auch sonst die redaktionelle Arbeit in vielerlei Hinsicht erleichterte.

Vergleich der ArbeitsumgebungenAbb.6: Arbeitsumgebung für Redakteure in HTML (Links) und im Content Management System CorMedia (rechts)

Das inhaltliche Angebot des Hamburger Bildungsservers wurde mit den neuen Möglichkeiten weiter entwickelt. Seit 2012 leiteten Lubica Kasang und Bernd Burre den HBS als Doppelspitze, die eine ideale Arbeitsteilung zwischen den Zuständigkeiten für Sprachen, Kooperation und Kommunikation auf der einen Seite und Naturwissenschaften, Technik und Verwaltung auf der anderen entwickelten. Monika Schlottmann und Max von Redecker deckten weitere Bereiche ab. So konnte das Angebot für die zentralen Abiturprüfungen, die nun in allen Fächern eingeführt wurden, ausgeweitet werden. Das Thema Inklusion wurde mit besonderen Angeboten begleitet. Deutsch als Fremdsprache wurde ausgebaut, die MINT-Fächer weiterentwickelt. Auf der Didacta in Hannover 2012 wurden das Grundschulprojekt Mauswiesel und das Angebot des HBS zum Klimawandel vorgestellt. 2015 reagierte der HBS mit einem Special auf das Flüchtlingsdrama, das die Auswirkungen der Weltpolitik bis in die Hansestadt Hamburg spülte. Und im selben Jahr sah sich der Hamburger Bildungsserver selbst mit weltpolitischen Konflikten konfrontiert, als das türkische Generalkonsulat Einfluss auf die Hamburger Abiturthemen nehmen wollte.

Klimadaten und ihre VisualisierungAbb.7: Klimadaten und ihre Visualisierung

Von Beginn an war die Zusammenarbeit mit der Hamburger Klimaforschung, die von Dr. Dieter Kasang initiiert wurde, eine tragende Säule für die Entwicklung von Inhalten für den HBS. Sie führte zu dem mit Abstand größten Angebot eigener Inhalte auf dem Server, das inzwischen aus mehreren hundert Artikeln zum Klimawandel und seinen Folgen besteht, sowie zahlreiche Bildergalerien zum Thema und über 50 000 aufbereitete Klimadaten für die Nutzung an Schulen umfasst. Genutzt wurden und werden die Daten vor allem in dem Schulprojekt Klimawandel, in dem Schulen aus Hamburg und Schleswig-Holstein mit der Hamburger Klimaforschung kooperieren und dessen Homepage ebenfalls auf dem HBS liegt.

Dieser Klima-Bereich wurde 2016/17 in Kooperation mit dem Deutschen Bildungsserver mit dem dort beheimateten KlimaWiki verknüpft. Nun können Nutzer vom KlimaWiki den direkten Zugriff auf die dazugehörigen Klimadaten auf dem HBS erhalten. Die langjährige bestehende Kooperation mit dem Excellence Cluster Clisap zur Klimaforschung der Universität Hamburg wurde 2017 verlängert. Für beide Kooperationen hat Dr. Dieter Kasang mit seiner Expertise maßgeblich dazu beigetragen.

In der Hoffnung, dass der HBS auch weiterhin in der Lage bleibt, die Arbeit an den Schulen so gut wie bisher oder noch besser zu unterstützen und sich an innovativen Entwicklungen zu beteiligen, aber auch mit der dafür notwendigen Personaldecke ausgestattet wird, wünschen wir ihm weitere erfolgreiche Jahrzehnte.

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