Kohlendioxidemissionen

Kohlendioxid ist das wichtigste Treibhausgas, durch das der Mensch das Klima verändert. Die Emissionen von Kohlendioxid konnten bisher nicht wirksam verringert werden.

Kohlendioxidemissionen


Kohlendioxidemissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger

Wenn von Klimaänderungen durch den Menschen die Rede ist, dann wird vor allem an das beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entstehende Kohlendioxid als wichtigste Ursache gedacht. Tatsächlich ist Kohlendioxid für deutlich mehr als die Hälfte des menschlichen Treibhauseffekts verantwortlich, bei zunehmendem Anteil. Es ist daher wichtig zu wissen, wie sich die Emissionen dieses Treibhausgases bisher entwickelt haben und wie sie aktuell aussehen. Welche Trends zeigen sich gerade  in den letzten Jahren? Gibt es Entwicklungen zur Verringerung der Emissionen oder nehmen diese immer mehr zu? Welche Staaten sind daran vor allem beteiligt?

 CO2-Emissionen 1900-2004
Abb. 1: Anteil verschiedener Weltregionen an den kumulativen globalen CO2-Emissionen 1900-2004 (ohne Emissionen durch Landnutzungsänderungen).5

Die globale Mitteltemperatur hat sich seit 1900 um etwa 1 °C erhöht. Wegen der Langlebigkeit der meisten Treibhausgase, insbesondere von CO2, liegt dafür die Ursache in den Emissionen seit Beginn der Industrialisierung um 1800. Länder wie China und Indien hatten daran bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein so gut wie keinen Anteil. Addiert man die historischen Emissionen von Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Energieträger, sind dafür zu mehr als 50 % die USA und die Staaten der EU verantwortlich, China zu weniger als 10 %, ganz Lateinamerika und Südasien jeweils zu deutlich weniger als 5 %.(s. Abb. oben)

In den letzten beiden Jahrzehnten und vor allem seit dem Jahr 2000 hat sich das Bild allerdings gewandelt. Die Emissionen wichtiger entwickelter Industrieländer stagnieren oder gehen leicht zurück. So können Deutschland ebenso wie die Europäische Union der 27 Mitgliedsstaaten einen leichten Rückgang verzeichnen. Auch in Russland nahmen die Emissionen durch den Zusammenbruch eines Teils der sowjetischen Industrie in den 1990er Jahren deutlich ab, steigen inzwischen aber wieder an. Die USA, lange Zeit der Hauptemittent von CO2, zeigen eine umgekehrte Entwicklung: Bis zur Jahrtausendwende nahmen die Emissionen stetig zu, stagnierten dann und gingen in den letzten Jahren zurück. (s. Abb. unten)

Ganz anders sieht die Entwicklung in den aufstrebenden Schwellenländern Indien und vor allem China aus. Indien emittierte 1990 weniger als Deutschland, überholte Deutschland aber schon vor dem Jahr 2000 und stößt inzwischen mehr als doppelt so viel Kohlendioxid aus. Besonders rasant verlief die Entwicklung in China. 1990 betrugen die chinesischen Emissionen nur die Hälfte derjenigen der USA. Zwischen 2005 und 2006 löste China die USA als Hauptemittent ab und emittierte 2011 fast doppelt so viel Kohlendioxid als die Vereinigten Staaten: 9,7 zu 5,4 Mrd. Tonnen.1

Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass ein Teil der Emissionen, die in Schwellen- und Entwicklungsländern anfällt, zur Erzeugung von Produkten dient, die in Industrieländern konsumiert werden. Während die Industrieländer sich immer mehr zu Dienstleistungsgesellschaften entwickeln ("Dritte industrielle Revolution"), wird die Produktion von Industriegütern zunehmend von den Entwicklungs- und Schwellenländern übernommen. Als Folge entsteht ein erheblicher Teil der Kohlenstoffemissionen in Ländern wie China zu dem Zweck, die Bevölkerung in den Industrieländern mit Waren zu versorgen. Während der auf diese Weise entstandene Netto-Transfer von Emissionen aus den Entwicklungsländern in die Industrieländer 1990 noch 0,4 Gt CO2 betrug, vervierfachte er sich bis 2008 auf 1,6 Gt CO2. Insgesamt sind in diesem Zeitraum durch die Verlagerung der Produktion aus den Industrieländern in die Entwicklungsländer für den Konsum in den Industrieländern Emissionen von 16 Gt CO2 entstanden.1a

Bei der üblichen regionalen Betrachtung, die danach fragt, wo die Emissionen entstehen, ist China gegenwärtig vor den USA der größte CO2-Emittent in der Welt. Bei einer konsumbezogenen Betrachtung liegt China jedoch auf dem 2. Platz hinter den USA. Europa konnte zwar seine Emissionen 1990-2008 um 6 % reduzieren, berücksichtigt man jedoch die durch den europäischen Konsum anfallenden Emissionen in anderen Staaten, insbesondere in China, sind die europäischen Emissionen gestiegen, und nicht gesunken.1a

Zwischen 2000 und 2008 wuchsen die Emissionen im Mittel um 3,8 % im Jahr. In den 1990er Jahren lag die Zunahme dagegen nur bei 1 % pro Jahr. Im Jahre 2008 betrugen die CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern 8,7 GtC (Giga-Tonnen2 Kohlenstoff). Das waren 29 % mehr als im Jahre 2000 und 41 % über den Emissionen des Jahres 1990. Die Emissionen lagen damit in den letzten Jahren im Rahmen des höchsten IPCC-Szenarios A1FI. Von 2007 auf 2008 war das Wachstum mit 2,0 % etwas geringer als im Durchschnitt der Jahre 2000-2008.3 Ursache war die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2009 sogar zu einer Abnahme der Emissionen um -1,3 % im Vergleich zum Vorjahr bewirkte. Die Abnahmen waren vor allem in den traditionellen Industrieländern zu verzeichnen, mit z.B. -6,9 % in den USA, -8,6 % in Großbritannien, -7 % in Deutschland und -11,8 % in Japan, während sie in China um 8 % und in Indien um 6,2 % stiegen. Trotzdem waren die Emissionen aus fossilen Brennstoffen im Jahr 2009 nach 2008 mit 30,8 t Gt C02 die zweithöchsten in der menschlichen Geschichte.4 2010 wurde diese Abschwächung der Emission jedoch wieder mehr als wettgemacht: Die energiebedingten Emissionen erreichten einen neuen Rekord und lagen um 5 % über den CO2-Emissionen von 2008.

Globale CO2-Emissionen 1990-2011  
Abb. 2: Entwicklung der Kohlendioxidemissionen 1990-2011 pro Jahr von wichtigen Staaten6

Die globale Wirtschaftskrise führte 2009 zwar zu einer Reduktion der Emissionen um 1 %, die jedoch durch die Zunahmen 2010 und 2011 um 5 % bzw. 3 % mehr als wettgemacht wurde. 2011 wurden global 34 Mrd. t CO2 emittiert. China lag mit 29 % an 1., die Vereinigten Staaten mit 16 % an 2., die EU mit 11 % an 3., Indien mit 6 % an 4., Russland mit 5 % an 5. und Japan mit 4 % an 6. Stelle der Rangliste. 40 % der gesamten Emissionen waren durch die Verbrennung von Kohlen verursacht,  die 2011 mit 5 % deutlich stärker zunahm als Öl und Gas mit 1 % bzw. 2 %. Insgesamt nahmen die globalen Emissionen über das letzte Jahrzehnt jährlich um 2,7 % zu.1

Ab 2006 löste die Kohle zum ersten Mal seit 1968 Erdöl als wichtigste Emissionsquelle von CO2 ab. Während in den 1990er Jahren die Kohle für 37 % der CO2-Emisionen aus fossilen Brennstoffen stand und Öl für 41 %, stammen im neuen Jahrzehnt 40 % aus Kohle und 36 % aus der Verbrennung von Erdöl. Dahinter steckt vor allem die starke Kohlenutzung zur Energiegewinnung in China, das seit 2006 vor den USA an der Spitze der wichtigsten Emissionsländer liegt.3

Emissionen aus Veränderung der Landnutzung

Zu den Emissionen aus fossilen Energieträgern kamen 2008 noch 1,2 GtC durch Veränderung der Landnutzung hinzu, so dass die anthropogenen CO2-Emissionen 2008 insgesamt 9,9 GtC ausgemacht haben. CO2-Emissionen durch Landnutzung entstehen in den letzten Jahrzehnten primär durch Waldvernichtung in den Tropen, die zum einen durch die Umwandlung von Wald in Ackerland und zum anderen durch Holznutzung verursacht wird. Ackerland wird in der Regel durch Brandrodung gewonnen. Regionale Schwerpunkt sind das Amazonasgebiet und Indonesien. Im brasilianischen Amazonasgebiet hat der Kampf gegen die Vernichtung des Regenwaldes in den letzten Jahren gewisse Erfolge zu verzeichnen. Auch in Indonesien ging die Brandrodung etwas zurück, was aber eher mit natürlichen Klimaschwankungen, in diesem Fall mit einem feuchten La-Niña-Jahr, zu tun hat. Hinzu kommt, dass in den mittleren Breiten die landwirtschaftliche Nutzfläche durch Wiederaufforstung schon seit Jahrzehnten tendenziell abnimmt. Im Jahr 2008 lagen die Emissionen von Kohlenstoff durch Veränderung der Landnutzung jedenfalls bei 1,2 GtC und damit deutlich unter dem langjährigen Mittel von 1,5 GtC/Jahr.3

Anmerkungen:
1.
J.G.J. Olivier, G. Janssens-Maenhout , J. A.H.W. Peters (2012): Trends in global CO2 emissions; 2012 Report, The Hague/Bilthoven, 2012, Table A1.2
1.a. G.P. Peters, J.C. Minx,. C.L. Weber, and O. Edenhofer (2011): Growth in emission transfers via international trade from 1990 to 2008, PNAS May 24, 2011 vol. 108 no. 21, 8903-8908
2. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde (109) Tonnen oder einer Billion (1012) Kilogramm. 1 t C entspricht 3,67 t CO2
3. Le Quéré, C., et al. (2009): Trends in the sources and sinks of carbon dioxide, Nature Geoscience 2, 831-836 (einschließlich Supplementary Information)
4. P. Friedlingstein, R. A. Houghton, G. Marland, J. Hackler, T. A. Boden, T. J. Conway, J. G. Canadell, M. R. Raupach, P. Ciais, C. Le Quéré (2010): Update on CO2 emissions, Nature Geoscience 3, 811-812
5. Eigene Darstellung, Daten nach Organisation for Economic Cooperation and Development — OECD (2009): The Economics of Climate Change Mitigation: How to Build the Necessary Global Action in a Cost-Effective Manner, S. 121
6. Eigene Darstellung nach Daten aus J.G.J. Olivier et al. (2012): Trends in global CO2 emissions

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