Dürren: Europa und der Mittelmeerraum

In Europa und besonders im Mittelmeerraum ist in Zukunft mit einer Zunahme von trockenen Perioden vor allem im Sommer zu rechnen.

Dürren: Europa und der Mittelmeerraum

Der bisher beobachtete Trend zu heißeren Sommern mit starker Trockenheit in West- und Mitteleuropa sowie im mediterranen Raum wird sich nach Modellrechnungen wahrscheinlich fortsetzen. Auch auf der Grundlage des relativ konservativen B2-Szenarios zeigen die Modelle eine deutliche Abnahme der Niederschläge über große Teile von West- und Südeuropa im Sommer. Die maximale Länge von sommerlichen Trockenperioden nimmt bis zum Ende des 21. Jahrhunderts in Mitteleuropa um 7-10, in großen Teilen Frankreichs und Italiens, im Süden Großbritanniens und im nordöstlichen Spanien um 10 und mehr Tage zu.1 Bei dem eher wahrscheinlichen A2-Szenario ist mit noch längeren Trockenperioden zu rechnen. Die sommerliche mediterrane Trockenzeit wird wahrscheinlich früher einsetzen und im Herbst länger anhalten. Im Sommer spielt außerdem die Austrocknung des Bodens durch die wahrscheinliche Temperaturerhöhung von 2-5oC eine wichtige Rolle, wie das auch während der Hitzewelle 2003 schon der Fall war. Eine reduzierte Bodenfeuchte wird die Sommertemperaturen weiter erhöhen, was wiederum die Austrocknung des Bodens verstärkt.

Das europäische Klima steht stark unter dem Einfluss der Nordatlantische Oszillation (NAO).2 Die NAO bestimmt zwar vor allem das nordwesteuropäische Winterklima, besitzt jedoch auch einen Einfluss auf den Mittelmeerraum. Bei einem positiven NAO-Index (als Maßeinheit des Luftdruckgegensatzes zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch) herrscht über dem Nordatlantik eine starke Westwindzirkulation, die für milde Winter und reichliche Niederschläge über Nord- und Westeuropa bis nach Sibirien sorgt, während über dem Mittelmeerraum bis in den vorderen Orient Trockenheit und relativ kalte Winter herrschen. So konnte gezeigt werden, dass der Anstieg des winterlichen NAO-Index an der beobachteten winterlichen Abnahme der Niederschläge und Abschwächung der Zyklonenbildung im Mittelmeerraum beteiligt ist.3 Die weitere Entwicklung der NAO unter dem Einfluss der globalen Erwärmung wird daher für die mediterranen und südeuropäischen Winterniederschläge auch zukünftig von Bedeutung sein.4

Veränderung des Niederschlags in Mittel- und Südeuropa bis zum Ende des 21. Jahrhunderts
Abb. 1:
Die prozentuale Veränderung des Niederschlags nach dem Szenario A2 in Mittel- und Südeuropa bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Im Winter (DJF) werden danach die Niederschläge in Mitteleuropa (wie in Nordeuropa: nicht gezeigt) zunehmen, im Mittelmeerraum abnehmen. Im Sommer (JJA) nehmen sie besonders im westlichen Mitteleuropa stark ab und nur im östlichen Mittelmeerraum leicht zu.5

In Deutschland ist besonders Brandenburg durch künftige Trockenheit gefährdet. Schon in jüngster Zeit ist eine deutliche Abnahme der Jahresniederschläge beobachtet worden, an der Station Magdeburg z.B. um ca. 80 mm seit den 1950er Jahren. Bis 2050 werden große Teile des Elbeeinzugsgebietes mit weiteren Niederschlagsabnahmen rechnen müssen. Die Gebiete mit unter 500 mm Niederschlag pro Jahr werden sich deutlich ausdehnen, einzelne Regionen werden sogar weniger als 400 mm erhalten. Insgesamt wird nach einer eher konservativen Szenarienrechnungen zwischen 1980-90 bis 2040-50 der mittlere Jahresniederschlag des Landes Brandenburg von 552 auf 478 sinken. Besonders die für die Grundwasserbildung wichtigen dauerhaften Niederschläge werden ab- und kurzfristige Starkniederschläge zunehmen. Da gleichzeitig die Temperaturen um ca. 2o C und die Sonnenscheindauer zunehmen werden, kommt es vor allem im Sommer durch eine höhere Verdunstung zur Austrocknung des Bodens und Gefahr von Dürren. Das wird vor allem Auswirkungen auf den regionalen Wasserhaushalt und die Wasserverfügbarkeit haben.6

Veränderung des Niederschlags in Magdeburg 1951-2000 (links) und Projekionen für den Elbe-Raum
Abb. 2:
Jahressumme des Niederschlags in Magdeburg 1951-2000 (links) und Veränderung der Niederschläge im Elbe-Raum 2046/2055 zu 1951/20007

Anmerkungen:
1.
Pal, J.S., F. Giorgi, and X. Bi, 2004: Consistency of recent European summer precipitation trends and extremes with future regional climate projections. Geophys. Res. Lett., 31, L13202
2. Vgl. Atmosphäre und Treibhauseffekt: Die Nordatlantische Oszillation
3.
Alpert, P., T. Ben-Gai, A. Baharad, Y. Benjamini, D. Yekutieli, M. Colacino, L. Diodato, C. Ramis, V. Homar, R. Romero, S. Michaelides, A. Manes (2002): The paradoxical increase of Mediterranean extreme daily rainfall in spite of decrease in total values, Geophysical Research Letters 29, 31-1 - 31-4
4. Über einen möglichen Einfluss des anthropogenen Treibhauseffekts auf die Nordatlantische Oszillation vgl. NAO/anthropogener Einfluss; über die Auswirkungen auf den Mittelmeerraum s. Elke Hertig: Niederschlags- und Temperaturabschätzungen für den Mittelmeerraum unter anthropogen verstärktem Treibhauseffekt, Würzburg 2004
5. verändert nach Räisänen, J., U. Hansson, A. Ullerstig, R. Döscher, L.P. Graham, C. Jones, H.E.M. Meier, P. Samuelsson and U. Willén (2004): European climate in the late 21st century: regional simulations with two driving global models and two forcing scenarios, Climate Dynamics 22, 13-31
6. Gerstengarbe, F.-W. , F. Badeck, F. Hattermann, V. Krysanova, W. Lahmer, P. Lasch, M. Stock, F. Suckow, F. Wechsung, P.C. Werner (2003): Studie zur klimatischen Entwicklung im Land Brandenburg bis 2055 und deren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, die Forst- und Landwirtschaft sowie die Ableitung erster Perspektiven, PIK-Report 83, Potsdam
7. Verändert nach Gerstengarbe, F.-W. , F. Badeck, F. Hattermann, V. Krysanova, W. Lahmer, P. Lasch, M. Stock, F. Suckow, F. Wechsung, P.C. Werner (2003): Studie zur klimatischen Entwicklung im Land Brandenburg bis 2055 und deren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, die Forst- und Landwirtschaft sowie die Ableitung erster Perspektiven, PIK-Report 83, Potsdam, Abb. 7 und 8

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