Dürren: Nordamerika

Auf dem Nordamerikanischen Kontinent könnte vor allem der Südwesten der USA künftig von stärkeren Trockenperioden betroffen sein. In den Gebirgsregionen der Sierra Nevada und der Rocky Mountains könnte es zum Wassermangel kommen.

Dürren: Nordamerika

Dürren in den USA

In Nordamerika sind vor allem die USA werden häufig von starken Dürren betroffen, die sich vor allem auf den Südwesten, den Mittleren Westen und den Süden des Landes konzentrieren. Auch das neue Jahrtausend begann mit einer Reihe von ernsten bis extremen Dürren, die mit Unterbrechungen bis zum aktuellen Jahr (2014) anhielten. So gab es von 1999 bis 2005 eine starke Dürre in den westlichen USA. Auch 2011 bis 2014 waren extreme Dürrejahre mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Texas, im Mittleren Westen und in Kalifornien.

Dürre in Texas am 13.9.2011

Die Folge waren große Probleme bei der Wasserversorgung, da in etlichen Staaten die Stauseen weniger als halb gefüllt waren. Außerdem kam es immer wieder zu großen Waldbränden in Staaten wie Oregon, Arizona, Colorado, Kalifornien u.a. Im Zeitraum1980-2003 machten ökonomischen Schäden durch Dürren fast die Hälfte der Gesamtschäden durch Wetterextreme von 349 Mrd. US-$ aus.1

Dürren sind allerdings auch in der Vergangenheit in den USA nichts Außergewöhnliches gewesen. Bekannt ist die „Dust-Bowl“-Dürre in den 1930er Jahren, die besonders extrem in den nördlichen Rocky Mountains und den nördlichen Great Plains wütete. Durch diese Dürre mussten 350 000 Rinder von der Regierung aufgekauft werden. Die gesamten wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf 13 Mrd. US-$. Die „Dust-Bowl“-Dürre wird allerdings in den Schatten gestellt durch sog. Megadürren, die Nordamerika in früheren Jahrhunderten heimgesucht haben. So hat es etwa im 16. Jahrhundert eine Megadürre gegeben, die deutlich länger andauerte als die Dürren im 20. Jahrhundert und sich besonders im Westen der heutigen Vereinigten Staaten und im nördlichen Mexiko auswirkte. Noch gewaltiger fiel die Megadürre während des Mittelalters aus, die den Westen und die Grat Plains betraf und mit einigen Unterbrechungen mehrere Jahrhunderte von etwa 900 bis 1300 andauerte.1

Die mittelalterliche Megadürre war die ausgedehnteste, längste und stärkste Dürre der Region in den letzten ca. 1000 Jahren. Sie war besonders ausgeprägt um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Wie die Dürren des 20. und 21. Jahrhunderts war auch die mittelalterliche Megadürre mit höheren globalen bzw. (nord-)hemisphärischen Temperaturen verbunden. Diese lagen allerdings zwischen 950 und 1150 nur um 0,2-0,4 °C über dem Mittel der Jahre 1850-2006, während sie gegenwärtig um 0,8 °C darüber liegen. Zeitweilig und in bestimmten Regionen erreichte die mittelalterliche Erwärmung im Südwesten der USA aber auch 1 °C über dem Mittel von 1850-2006. Die Gründe der mittelalterlichen Erwärmung sind in einer stärkeren Solarstrahlung und abnehmenden vulkanischen Aktivität zu sehen.2 Die gegenwärtige Hintergrunderwärmung ist dagegen im wesentlichen auf die höhere atmosphärische Konzentration von Treibhausgasen zurückzuführen, weshalb auch verschiedene Autoren in den US-Dürren bereits Anzeichen des anthropogenen Klimawandels sehen.4, 2, 1

Ursachen

Worin liegen die Gründe für die immer wieder starken Dürren in Nordamerika? Modelluntersuchungen haben einen klaren Zusammenhang zwischen den nordamerikanischen Dürren und den Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik nachgewiesen. Möglicherweise macht sich bei der gegenwärtigen Erwärmung über dem Pazifik bereits die globale Erwärmung bemerkbar, die so mitverantwortlich sein könnte an den Dürren zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ein Rolle könnte dabei auch die Ausdehnung der Hadley-Zelle Richtung Pole sein, die als Folge des Klimawandels angenommen wird (vgl. Atmosphärische Zirkulation und Klimawandel). Damit würden sich die trockenen subtropischen Hochdruckzellen auf der Nordhemisphäre nach Norden verschieben.2

In den Gebirgsregionen der Sierra Nevada und der Rocky Mountains bis nach Kanada wird die Erwärmung außerdem die Bildung der Schneedecke beeinflussen. Selbst eine geringe Erwärmung um 1-2oC bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts würde in manchen Regionen zu einem Verlust von bis zu 60% der Schneedecke im Frühjahr führen, ein Anstieg um 3oC bis 2090, als best case Szenario, sogar um bis zu 72%. Im gesamten pazifischen NW der USA lägen die Verluste bei 35% in den 2050er bzw. 47% in den 2090er Jahren. Die Folgen wären einerseits größere Abflüsse in den Winter- und frühen Frühjahrsmonaten mit einer erhöhten Gefahr von Überflutungen, andererseits deutlich geringere Abflüsse im Sommer. Vom späten Frühjahr bis zum Herbst würde das bedeuten, dass wesentlich weniger Wasser für Bewässerung in der Landwirtschaft und für Wasserkraftwerke zur Verfügung stehen würde und dass eine verlängerte Trockenperiode die Gefahr von Waldbränden erhöhen würde. Bis 2090 kann sogar mit einer Verdoppelung der jährlich durch Waldbrände betroffenen Fläche gerechnet werden.3

Projektionen

In der Literatur ist die Frage entstanden, ob die Dürren der Vergangenheit, insbesondere die Megadürre im Mittelalter, Vorboten der Zukunft sein könnten.2 Nach Klimamodellrechnungen werden sich die Verhältnisse in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts nur wenig ändern. Ab der Mitte des Jahrhunderts nehmen Anzahl und Dauer der Dürren jedoch deutlich zu. Die Länge künftiger Dürren wird auf 5 bis 12 Jahre geschätzt. Dafür werden nicht nur geringere Niederschläge verantwortlich sein. Ein wichtiger Faktor wird auch in einer deutlich geringeren Bodenfeuchtigkeit gesehen, die nicht nur durch geringere Niederschläge, sondern auch durch weniger Schneebedeckung bedingt sein wird. Wenn schon im Frühjahr in den Bergregionen weniger Schnee liegt, weil aufgrund der höheren Temperaturen die Niederschläge nicht mehr als Schnee, sondern als Regen fallen, trocknet der Boden bis zum Sommer hin stark aus, was höhere Temperaturen und Dürren begünstigt. Die Wasserstände in den Flüssen, z.B. im Colorado River, werden in solchen Jahren deutlich fallen und Probleme für die Bewässerung der Landwirtschaft und die Wasserversorgung der Bevölkerung darstellen.4

Anmerkungen:
1. Cook, E.R., et al. (2007): North American drought: Reconstructions, causes, and consequences, Earth-Science Reviews 81, 93–134
2. Woodhouse, C.A, et al. (2010): A 1,200-year perspective of 21st century drought in southwestern North America. Proc Natl Acad Sci USA 107:21283–21288
3. Service, R.F. (2004): As the West Goes Dry, Science 303, 1124-1127
4. Cayan, D.R., et al. (2010): Future dryness in the southwest US and the hydrology of the early 21st century drought, Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A., 107, 21,271–21,276, doi:10.1073/pnas.0912391107

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