Primäre Aerosole

Nach der Entstehung werden primäre und sekundäre Aerosole unterschieden. Die einen gelangen direkt als Partikel in die Atmosphäre, die anderen werden erst in der Atmosphäre aus gasförmigen Vorläufern gebildet. 

Primäre Aerosole

 Mineralischer Staub gelangt vor allem in Wüstengebieten und ihren Randzonen durch Wind, der feine Partikel von typischerweise 1-10 μm vom Boden aufwirbelt, in die Atmosphäre. Die Staubproduktion in Wüstengebieten und ihre Ausbreitung ist grundsätzlich stark von den lokalen Wetterbedingungen wie Windstärke, Trockenheit bzw. Niederschlag abhängig. Diese Wetterbedingungen werden von großräumigen Klimaschwankungen wie dem El-Niño-Phänomen oder der Nordatlantische Oszillation stark beeinflusst. Das mit Abstand größte Staubemissionsgebiet der Welt, Nordafrika, zeigte während der Saheldürre von den 1970er bis in die 1980er Jahre eine deutlich erhöhte Staubproduktion, mit Spitzenwerten während der El-Niño-Jahre. Die feineren Staubanteile können in Höhen bis zu 5 km gelangen, von starken Winden erfasst werden und sich über interkontinentale Distanzen ausbreiten. So gelangt Sahara-Staub bis nach Europa und in die Karibik. Die 4500 km lange Strecke von der Westküste Afrikas bis in die Karibik legen die Staubwolken in ca. einer Woche zurück. Während der Saheldürre waren die Ablagerungen von Sahara-Staub auf der Insel Barbados in der Karibik siebenmal größer als vor 1966.1

Globale Grunddaten zu Staub-Aerosolen
Tabelle 1:
Globale Grunddaten zu Staubaerosolen2

Nachdem frühere Schätzungen von bis zu 50% anthropogenen Staubaerosolen ausgegangen sind, ergaben jüngste Berechnungen, dass weniger als 10% der Staubaerosole durch landwirtschaftliche Tätigkeit und etwa eine gleiche Menge durch Waldvernichtung entstehen.3 Es ist aus vielen Gründen jedoch schwierig, natürliche und anthropogene Staubaerosole zu unterscheiden. Veränderungen der Bodenbedeckung können natürliche Gründe haben, z.B. klimatische Veränderungen, oder durch den Menschen verursacht sein. So gab es in dem kalten Klima des letzten glazialen Maximums deutlich mehr mineralischen Staub in der Atmosphäre als heute, wie Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis belegen. Andererseits hat in jüngster Zeit die Beseitigung von Vegetation und die Bodenzerstörung in Trockengebieten durch den Menschen die Staubentstehung wieder stark erhöht. Auch der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr durch Wüsten, durch den die obere Schicht der Wüstenböden aus Algen, Kiesel oder Flechten zerstört wird, soll für einen großen Teil der Staubemissionen verantwortlich sein.4 Gegen einen hohen anthropogenen Anteil bei der Staubentstehung in Trockengebieten spricht allerdings, dass die Masse des Staubes in Gebieten entsteht, die unbewohnt und weitgehend auch unbefahren sind und dass die Bodenzerstörung weitgehend auf Randgebiete der Wüsten begrenzt ist.5 Auch die Industrie ist für einen geringen Eintrag von Staub-Aerosolen in die Atmosphäre verantwortlich, der sich allerdings besonders in den entwickelten Industrieländern durch den Einbau von Filteranlagen und andere Maßnahmen in letzter Zeit deutlich verringert hat.

Die wichtigsten Quellen der Staub-Aerosole

 

Abb. 3: Die wichtigsten Quellen der Staub-Aerosole sind die Wüsten- und Trockengebiete der Erde. Durch anthropogene Zerstörung der Pflanzendecke kann die Staubemission verstärkt werden.6

Die Emission der insgesamt vom Boden aufgewirbelten Staub-Aerosole wird auf 1000 bis 5000 Millionen Tonnen pro Jahr (Mt/a) geschätzt.7 Neuere Modellberechnungen kommen auf Werte zwischen 1000 und 2000 Mt/a und einen atmosphärischen Gesamtgehalt von 18,1 Mt, wovon 97% die Partikelgröße von 0,1-10 μm besitzen. Die trockene Sedimentation ist die Hauptursache für die Entfernung aus der Atmosphäre. Die atmosphärische Verweilzeit beträgt im Mittel 3,9 Tage, wobei die kleinsten Partikel eine Lebensdauer von ca. vier Wochen, die größeren von nur einigen Stunden besitzen.8 Vulkanausbrüche emittieren im Mittel ca. 33 Mt/a an Staubaerosolen, wobei es bei einzelnen starken Ausbrüchen auch deutlich mehr sein können. Selbst die bei stärkeren Vulkanausbrüchen bis in die Stratosphäre geschleuderten Teilchen sinken nach ein bis zwei Monaten wieder ab.

Neben Trockengebieten und Vulkanen ist auch das Meer eine wichtige Quelle primärer Aerosole. Durch Zerplatzen von Luftbläschen in der Gischt von Wellenkämmen entstehen Meersalzaerosole. Sie bestehen aus Kochsalz (NaCl) und Gips (CaSO4), sind 0,05 bis über 10 μm groß und schweben entsprechend sehr unterschiedlich lange in der Atmosphäre, im Mittel jedoch nicht länger als einen halben Tag. Der Eintrag vom Ozean in die Atmosphäre beträgt im heutigen Klima schätzungsweise 3300 Mt/a und liegt damit in der Größenordnung der Staubaerosole. Die kleineren Partikel können in größere Höhen gelangen und bei der Wolkenbildung eine Rolle spielen, während die größeren Teilchen schnell wieder absinken. Die atmosphärische Konzentration von Salz-Aerosolen ist am höchsten über Ozeangebieten mit hohen Windgeschwindigkeiten, d.h. besonders über den mittleren Breiten der Südhalbkugel.

Eine weitere Gruppe primärer Aerosole sind die kohlenstoffhaltigen Aerosole, zu denen organische Kohlenstoffverbindungen und Ruß zählen. Sie entstehen hauptsächlich bei der unvollständigen Verbrennung von fossilen Energieträgern und Biomasse und sind weitgehend anthropogenen Ursprungs. Diese Aerosole sind in der Regel kleiner als 1 Mikrometer. Anthropogene organische Aerosole bestehen aus vielen chemisch komplexen Bestandteilen. Die globale Emission von organischen Kohlenstoff-Aerosolen aus der Biomassenverbrennung beträgt 45-80 Mt/a, die aus der Verbrennung fossiler Energieträger 10-30 Mt/a. Bei der Verbrennung von Kohle, Mineralölen und Biomasse entstehen sehr kleine Rußpartikel in Mengen von zusammen 12-16 Mt/a. Ein Rußpartikel ist ein Agglomerat aus sehr kleinen Partikeln, die bei der Verbrennung z.B. von Dieselkraftstoff entstehen. Die Schwerpunkte der Verbreitung kohlenstoffhaltiger Aerosole liegen einerseits in den Tropen, den wichtigsten Zonen der Biomassenverbrennung, andererseits in den Industriegebieten der Nordhalbkugel, wo die meisten fossilen Energieträger verbrannt werden. Hier nimmt die Ruß-Emission besonders in den sich industrialisierenden Entwicklungsländern China und Indien stark zu, während sie in den fortgeschrittenen Industriestaaten eher abnimmt.

Wichtige Rußquellen der Erde

 

Abb. 4: Ruß entsteht zum einen durch bei der Verbrennung fossiler Energierohstoffe, zum anderen bei der Verbrennung von Biomasse. Entsprechend liegen die wichtigsten Gebiete der Rußemission in den Industrieländern und den tropischen Gebieten.9

Anmerkungen:
1.
Prospero, J.M., and P.J. Lamb (2003): African Droughts and Dust Transport to the Caribbean: Climate Change Implications, Science 302, 1024-1027
2. Nach Liao, H., J.H. Seinfeld, P.J. Adams, L.J. Mickley (2004): Global radiative forcing of coupled tropospheric ozone and aerosols in a unified general circulation model, Journal of Geophysical Research 109, No. D16207, doi:10.1029/2003JD004456
3. Tegen, I., M. Werner, S.P. Harrison, and K.E. Kohfeld (2004): Relative importance of climate and land use in determining present and future global soil dust emission, Geophysical Research Letters 31, L05105, doi:10.1029/2003GL019216
4. Asendorpf, D. (2004): Sand im Allradgetriebe, Die Zeit 38, 2004
5. Prospero, J.M., and P.J. Lamb (2003): African Droughts and Dust Transport to the Caribbean: Climate Change Implications, Science 302, 1024-1027
6. verändert nach IPCC (2001): Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (Houghton, J.T. et al., eds), Cambridge and New York, Figure 5.2
7. Diese und weitere Angaben über die Größenverhältnisse soweit nicht anders vermerkt nach IPCC (2001): Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge and New York 2001, 5.2.2
8. Liao, H., J.H. Seinfeld, P.J. Adams, L.J. Mickley (2004): Global radiative forcing of coupled tropospheric ozone and aerosols in a unified general circulation model, Journal of Geophysical Research 109, No. D16207, doi:10.1029/2003JD004456
9. verändert nach IPCC (2001): Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (Houghton, J.T. et al., eds), Cambridge and New York, Figure 5.2

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