Der Zollanschluss an das Deutsche Reich und die Errichtung der Speicherstadt mit dem Freihafen (1860 bis 1888)

Die Einigung des deutschen Reiches unter Bismarck bedingte für Hamburg eine schrittweise Integration in den Zoll- und Steuerkreislauf des deutschen Reiches.

Hamburg Stadtentwicklung HafenCity

Die Hamburg mit der Reichsgründung zugesagte Zollfreiheit für das gesamte Stadtgebiet wurde von Seiten des Reiches Zug um Zug enger ausgelegt und von Hamburg der Anschluss an das Zollgebiet des Deutschen Reiches gefordert. Senator Versmann handelte schließlich 1881/82 den sog. Hamburger Zollanschluss aus, mit dem Hamburg die Einrichtung eines Freihafens unter Ausschluss des Wohnens, jedoch mit dem Recht auf industriell- gewerbliche Nutzungen zugestanden wurde. Für die notwendigen Umstrukturierungen, die bis 1888 umzusetzen waren, wurden finanzielle Förderungen des Reiches zugesagt.

Diese politische Einigung setzte den Startschuss für die Planung des Freihafens mit der von Versmann gesehenen historisch einmaligen Möglichkeit, den bisher gemischt genutzten Stadthafen Hamburg, der den zukünftigen Anforderungen des gewachsenen Güterumschlag nicht mehr gewachsen war, unter konsequenter Nutzung der neuen Lagerungs- und Distributionstechnologien umzugestalten. Es wurde entschieden, den hochwertigen Speicherbedarf der Stadt zukünftig am südlichen Stadtrand in unmittelbarer Nähe der Kernstadt zu konzentrieren und hierzu die Speicherstadt zu bauen. Für den Distributionsbereich entstand das Konzept von Kontorhäusern, die sich im Bereich Dovenfleet/Meßberg konzentrierten (Kontorhausviertel). vergrößern HafenCity Blick auf die ehemalige Harburger-Straße und das Gaswerk um 1900 Blick auf die ehemalige Harburger-Straße und das Gaswerk um 1900 (Bild: Hamburger Bildungsserver)

Für diese tiefgreifende Umstrukturierung der Lagerungs- und Handelsfunktionen Hamburgs wurde die Räumung der historisch gewachsenen und dicht besiedelten Elbinseln Wandrahm und Kehrwieder in Kauf genommen. Innerhalb kürzester Planungsfristen wurden die Gebiete abgerissen und die Speicherstadt mit dem zugehörigen Fleetsystem und dem verbreiterten Zollkanal bis 1888 neu gebaut.

Die umzusiedelnden ca. 20.000 Bewohner fanden keinen adäquaten hafennahen Wohngebiete, sondern mussten sich im bestehenden Wohnungsmarkt versorgen. Die Konzentration der Bewohner in den hafennahen Quartieren der Neustadt führte zu unhygienischen Wohnbedingungen, die maßgeblich zum Ausbruch der Cholera-Epidemie 1892 beitrugen.

Die Planung und der Bau des Hauptbahnhofes mit dem Bahnviadukt um die Jahrhundertwende schloss die wesentlichen Grundzüge der hafengewerblichen Erschließung des Grasbrooks gegen Ende des 19 Jahrhunderts ab.


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