Who is who: Biotechnik und Gentechnik

Die Begriffe Biotechnik und Gentechnik werden oft synonym gebraucht, obwohl dies eine nicht zulässige Vereinfachung ist. Die erst in den letzten 20 Jahren entwickelte Gentechnik hat allerdings dazu geführt, dass die Biotechnik einen enormen Aufschwung in vielen Industriezweigen erfährt, und diese Entwicklung wird weiter anhalten.

Who is who: Biotechnologie

Für die Biotechnik gibt es unzählige mehr oder weniger gelungene Definitionsversuche. Am einfachsten wird sie beschrieben als "der Einsatz biologischer Systeme im Rahmen technischer Prozesse und industrieller Produktionen". Angewendet auf den Bereich Ernährung bezeichnet Susan Harlander (The Encyclopedia of Microbiology, 1992) die Lebensmittel-Biotechnologie als "Anwendung traditioneller und moderner Technologien, in denen lebende Systeme mikrobiellen, pflanzlichen oder tierischen Ursprungs oder auch einzelne Komponenten dieser Systeme genutzt werden, um die Produktion, Verarbeitung und Verteilung von sicheren, nahrhaften, schmackhaften und preiswerten Lebensmitteln zu verbessern". Auch diese Definition klingt zwar etwas umständlich, trifft die Sache aber genau: Die traditionellen Verfahren zur Herstellung von Wein und Bier, von Brot und Käse sowie die traditionelle Nutzung von Enzymen, z. B. in der Fruchtsaftherstellung, sind genauso biotechnische Prozesse, wie die Produktion von Zitronensäure in genetisch verbesserten Mikroorganismen.
Die Gentechnologie beschreibt ein bestimmtes Know-how der modernen Molekularbiologie: die Fähigkeit, mit "molekularen Scheren" das Erbmaterial zu zerschneiden und einzelne Stücke an anderer Stelle oder in anderen Organismen einzusetzen. Man sagt dazu auch "rekombinante DNA-Technologie", weil auf diese Weise Erbmaterial gezielt re- bzw. neu kombiniert werden kann.
Das Erbmaterial besteht aus der chemischen Substanz mit dem komplizierten Namen Desoxyribonucleinsäure. Angepasst an den internationalen Standard wird heute auch in Deutschland die Abkürzung DNA, abgeleitet vom englischen Begriff "deoxyribonucleic acid", verwendet. Die Gentechnik ist aus der modernen Grundlagenforschung nicht mehr wegzudenken, aber vor allem auch auf die moderne medizinische Diagnostik und Therapie hat diese Methode großen Einfluss gewonnen.
Veränderungen und Übertragungen von Erbmaterial sind allerdings auch ohne Gentechnik möglich. Sie werden in der klassischen Züchtung von Pflanzen und Tieren sowie bei der Optimierung von Mikroorganismen schon sehr lange durchgeführt. Seit Jahrtausenden werden verschiedene Organismen miteinander gekreuzt, ausgewählt und weitergezüchtet - sonst sähen Boxer, Dackel und Schäferhund immer noch wie Schakale bzw. Wölfe aus. Durch Erhöhung von Mutationsraten mittels Chemikalien und/oder energiereicher Strahlen werden schon seit Anfang dieses Jahrhunderts Erbgutveränderungen provoziert, die aber zufällig und damit nicht vorhersagbar auftreten. Modernere Techniken der Züchtung, etwa die Fusion von zwei verschiedenen Zellen, führen auch zur allerdings immer noch zufälligen Neukombination von Erbmaterial: ohne Gentechnik. Die entscheidenden Vorteile der Gentechnik liegen in der gezielten, damit wesentlich schnelleren und besser kontrollierbaren Veränderung einer züchterischen Eigenschaft. Sowohl mit konventionellen als auch modernen anderen Techniken erhält man dagegen stets zufallsbedingte Ergebnisse, deren molekulare Grundlagen verborgen bleiben. Außerdem ermöglicht die Gentechnik die Übertragung von bestimmten Eigenschaften über Artgrenzen hinweg.

Die Gentechnik stellt eine Methode zur direkten Veränderung von Erbinformationen dar und ist Teilgebiet der Biotechnik. Sie hat als Querschnittstechnik ein sehr breites Anwendungsfeld, das sich nicht nur auf den landwirtschaftlichen Bereich, die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung beschränkt. Wichtige Anwendungsfelder liegen im Umwelt- und vor allem im medizinisch- pharmazeutischen Bereich. Abgesehen von der Entwicklung moderner diagnostischer und therapeutischer Systeme ist die Gentechnik auch aus der biologischen Grundlagenforschung nicht mehr wegzudenken.

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Quelle: BLL