Leishmaniose

Leishmaniose

Die Leishmaniose ist eine weitere tropische Krankheit, die sich durch den Klimawandel möglicherweise auch in mittlere Breiten ausweiten könnte. Sie ist heute hauptsächlich in tropischen Ländern und Südeuropa verbreitet. Weltweit sind etwa 12 Millionen Menschen in über 80 Ländern infiziert. Etwa 350 Millionen Menschen leben in Risikogebieten, wo sich jährlich ca. 2 Millionen Menschen tatsächlich infizieren.1

Die Krankheitssymptome sind Entzündungen der Haut und der Schleimhaut und in besonders schweren Fällen auch der inneren Organe wie Leber, Milz und Knochenmark. Leber und Milz schwellen dabei stark an, und die Krankheit kann ohne Behandlung zum Tod führen. Betroffen sind vor allem immunschwache Menschen, z.B. HIV-Positive, und Kinder.

Die Leishmaniose wird durch Stiche weiblicher Sandmücken übertragen, die ihre Eier auf dem Erdboden ablegen. Die starke Zunahme der Krankheit in den letzten Jahrzehnten ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Sandmückenpopulation in den Risikogebieten stark zugenommen hat. Sie war in den 1950er und 1960er Jahren durch die Anwendung des Insektizids DDT zur Bekämpfung von Malaria deutlich vermindert worden.

Sandmücke


Abb. 1: Weibliche Sandmücke bei der Blutmahlzeit2

Es sind nur die weiblichen Sandmücken, die Blut saugen, das sie für die Ausreifung der Eier benötigen. Anders als Stechmücken brauchen Sandmücken keine Wasserstellen für ihre Entwicklung, sondern suchen sich ihre Brutplätze in Höhlen, Termitenbauten, Rissen in Wänden, Böden etc. Die Larven brauchen je nach Temperatur 30-100 Tage für ihre Entwicklung.

Bei den Krankheitserregern handelt es sich es sich um Protozoen der Gattung Leishmania. Davon gibt es drei Hauptarten mit unterschiedlichen Krankheitssymptomen. Die Leishmania infantum kommt in Europa, Südasien und China, aber auch in Lateinamerika vor. Sie befällt vor allem die inneren Organe und kann ohne Behandlung tödlich enden. Gefährdet sind vor allem Kinder und Hunde. Die Leishmania tropica findet sich im östlichen Mittelmeergebiet, Mittleren Osten und Südasien. Sie befällt vor allem die Haut, auf der sich Geschwüre bilden können, die mit Vernarbungen ausheilen. Eine dritte Art, die Leishmania Braziliensis, kommt in Mittel- und Südamerika vor. Sie befällt die Schleimhäute, kann im Kopfbereich zu groben Entstellungen führen und endet ohne Behandlung oft tödlich.

In Deutschland sind in letzter Zeit entlang des Rheintals in nördlicher Richtung bis nach Köln Fälle von Leishmaniosen aufgetreten. Die Ursache sind wahrscheinlich Hundeimporte aus dem Mittelmeerraum, vor allem aus Spanien. Mit Leishmaniose infizierte Hunde sind wichtige Reservoire, von denen die Krankheit mit Hilfe der Sandmücken auch auf den Menschen übertragen werden kann. Nach Schätzungen sind auf Sizilien 89 % und in Spanien 42 % der Hunde infiziert. In Deutschland nimmt man ca. 22 000 infizierte Hunde an, die größtenteils aus dem Mittelmeerraum importiert wurden oder sich dort in der Urlaubszeit infizierte haben.3

Als Kältegrenze der Sandmücken wird die 10 °C- Jahresisotherme angenommen, die in Deutschland etwa bei Köln liegt, durch den Klimawandel in manchen Jahren aber auch schon bis nach Hamburg vorgerückt ist. In der Regel treten Sandmücken zum ersten Mal im Jahr auf, wenn die Nachttemperaturen dreimal hintereinander 20 °C erreichen. In den europäischen Mittelmeerländern ist das etwa Mitte Mai der Fall.4 Eine künftige Temperaturzunahme könnte die Verbreitung der Sandmücke deutlich weiter nach Norden verschieben. Ob auch die Krankheitserreger diese Migration mitmachen werden, ist eine offene Frage.

Anmerkungen:
1.
Lozán, J.L., R. Garms und T.J. Naucke: Die Leishmaniose - eine potentielle Gefahr in Mitteleuropa, in: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, Freiburg, Bonn, List/Sylt, S. 211-214
2. Wikimedia Commons: Phlebotomus papatasi sandfly
3. Lozán, J.L., R. Garms und T.J. Naucke: Die Leishmaniose - eine potentielle Gefahr in Mitteleuropa, in: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, Freiburg, Bonn, List/Sylt, S. 211-214
4. ebenda

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