Die chinesische Landwirtschaft im Klimawandel

Die chinesische Landwirtschaft im Klimawandel

Ernährungsfragen in China

Die ausreichende Ernährung der chinesischen Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten ist auch von globaler Bedeutung, da dahinter die Frage steht, ob China künftig vielleicht stärker als bisher seinen Bedarf auf den weltweiten Märkten abdecken wird. Schon in der jüngsten Vergangenheit haben sich das Bevölkerungswachstum, die Wasserknappheit, der Landverlust durch die zunehmende Verstädterung und Industrialisierung und der Klimawandel als Herausforderungen für die Nahrungsmittelproduktion gezeigt. Als wesentliches Problem ist hinzugekommen, dass sich Anteil von Getreideanbaugebieten am gesamten Ackerlandareal von geschätzten 130 bis 140 Millionen ha seit den 1970er Jahren bis zum Jahre 2003 nahezu halbiert hat. Angesichts der genannten Probleme muss die chinesische Agrarpolitik große Probleme lösen. Zum Glück werden sich der Klimawandel und die steigende Kohlendioxidkonzentration nach den bisherigen Berechnungen positiv auf die chinesischen Ernten auswirken.1

Agrarproduktion und Klimawandel

Von allen Anbaufrüchten nimmt Reis in China mit großem Abstand den wichtigsten Platz für die Ernährung der Bevölkerung ein. 2004 wurden auf 28,6 Millionen ha 181 Millionen t Reis geerntet. Modellrechnungen der Szenarien A2 und B2 für 2011-2100 zeigen, dass sich die chinesischen Reisernten, wenn man nur die Änderungen der Temperatur, des Niederschlags und der Strahlung berücksichtigt, durch den Klimawandel abnehmen würden. Die Abnahmen wären besonders stark in dem A2-Szenario und würden von 60 % im Nordwesten, Nordosten und Zentralchina bis 5 % im Südwesten reichen. Wird jedoch der CO2-Düngungseffekt berücksichtigt, zeigt das A2-Szenario eine Zunahme der Reisernten von 5 % z.B. im Süden und Südwesten Chinas bis sogar von 50 % in NW-China.2

Hinzu kommt eine Ausdehnung der Anbaugebiete von Reis. In China gibt es zum einen Gebiete, in denen eine doppelte Reisernte im Jahr möglich ist. Sie liegen heute hauptsächlich in Südchina. Diese Gebiete könnten sich nach dem A2-Szenario um 6,2 Millionen ha bis zum Ende des Jahrhunderts ausdehnen, insbesondere im Jangtse-Gebiet. In Südchina besteht aber auch die Gefahr einer Einschränkung der doppelten Reisernte durch zu hohe Temperaturen. Außerdem gibt es heute in Zentral- und Nordchina große Gebiete mit einer Ernte im Jahr, die nach dem A2-Szenario zu einem großen Teil durch das Zwei-Ernten-System ersetzt werden und sich zum anderen durch den Klimawandel weiter nach Norden ausdehnen könnten.

Durch klimatische Bedingungen, den CO2-Düngungseffekt und die Veränderungen der Anbaugebiete wird die Reisproduktion nach Modellrechnungen zwischen 2,7 und 19,2 % im nationalen Mittel zunehmen. Die chinesische Reisproduktion wäre nach diesen Berechnungen also ein Gewinner des Klimawandels.2

Anmerkungen
1.
Tao, M. Yokozawa, J. Liu, Z. Zhang (2009): Climate change, land use change, and China’s food security in the twenty-first century: an integrated perspective, Climatic Change 93, 3-4, 433-445
2.
W. Xiong, D. Conway, E. Lin, I. Holman (2009): Potential impacts of climate change and climate variability on China’s rice yield and production, Climate Research 40, 23–35

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