Tourismus und Klimawandel in Wechselwirkung

Tourismus und Klimawandel in Wechselwirkung

Der Tourismus ist weltweit einer der dynamischsten Wirtschaftszweige überhaupt. So ist z.B. der internationale Tourismus in den letzten 60 Jahren um ca. 6,5 %/Jahr gewachsen und zu einem der größten globalen Wirtschaftssektoren geworden. 2008 waren schätzungsweise 7,9 % aller Beschäftigten weltweit im Tourismus tätig. 1950 gab es nur 50 Millionen internationale touristische Reisen, 2010 dagegen schon 940 Millionen.1 2012 wurde die Grenze von 1 Milliarde internationaler touristischer Reisen überschritten.2 Und für 2030 wird mit einer Zunahme auf 1,8 Mrd. Reisen gerechnet. Dabei macht der internationale Tourismus nur 15 % aller touristischen Reisen aus.1

Aufgrund der globalen Ausrichtung und der Freiwilligkeit der Teilnehmer ist der Tourismus besonders sensibel gegenüber Änderungen in den Herkunfts- und Zielländern wie Wirtschaftskrisen, Terrorismus oder eben auch den Witterungsverhältnissen. Es ist davon auszugehen, dass auch der Klimawandel den Tourismus stark beeinflussen wird bzw. teilweise schon beeinflusst hat.

CO2-Emissionen durch den weltweiten Tourismus im Jahre 2005
Abb. 1:
CO2-Emissionen durch den weltweiten Tourismus im Jahre 20053

Tourismus und Klimawandel stehen in einer vielfältigen Wechselbeziehung. Einerseits ist der Tourismus ein Verursacher des Klimawandels, vor allem durch den Reiseverkehr, aber auch durch andere energieintensiven Komponenten wie Beschneiungsanlagen, beheizte Swimmingpools, Klimaanlagen, die Abholzung von Wäldern für die Errichtung touristischer Anlagen etc. Weltweit verursachte der Tourismus im Jahre 2005 insgesamt 1307 Millionen Tonnen bzw. ca. 5% der Kohlendioxidemissionen.4

Der Verkehr ist der mit Abstand wichtigste Faktor, mit dem der Tourismus am Klimawandel beteiligt ist. Die Unterkunft und touristische Aktivitäten am Urlaubsort fallen demgegenüber mit zusammen ca. 25 % deutlich weniger ins Gewicht. Beim Verkehr dominierte 2005 nach der Anzahl der Reisen eindeutig das Auto mit ca. 6 Mrd. (wovon allerdings 3,5 Mrd. auf Tageausflüge entfallen) vor Bus und Bahn mit etwas unter 3 Mrd. Reisen. Das Flugzeug wird dagegen von Touristen nur für knapp 1 Mrd. Reisen genutzt. Betrachtet man jedoch die Strecken, die von allen Passagieren 2005 zurückgelegt wurden, d.h. die Personenkilometer, steht das Flugzeug mit 4 Billionen km vor dem Auto mit 3,3 Billionen km an erster Stelle.4

Durch die deutlich längeren Strecken, die Urlauber mit dem Flieger zurücklegen, sind auch die Emissionen von Kohlendioxid deutlich höher als bei anderen Verkehrsmitteln. Sie betragen mit etwa 515 Mio. t CO2 gut die Hälfte der gesamten touristischen Emissionen von 982 Mio t CO2. Das liegt nicht an den höheren Emissionen pro Personenkilometer, die bei Flügen über 1000 km etwa denen des Autos entsprechen. Durch die Emission weiterer Treibhausgase und deren Wirkung beträgt der Anteil der Flugreisen am anthropogenen Treibhauseffekt 2,5 %. Rechnet man die Bildung von Cirruswolken mit ein, möglicherweise sogar das Doppelte.4

Zugleich war der Tourismus mit etwa 5-12 % am Strahlungsantrieb beteiligt.1 Der höhere Anteil am Strahlungsantrieb hängt vor allem mit den Emissionen des Flugverkehrs zusammen. Bei Flügen fällt nicht nur CO2 an, sondern werden auch Stickstoffoxide, die an der Bildung von Ozon beteiligt sind, und Methan emittiert. Methan wie Ozon sind Treibhausgase. Außerdem bildet der in Flughöhe durch Abgase frei werdende Wasserdampf Kondensstreifen und Cirruswolken, die ebenfalls eine Treibhauswirkung besitzen. Die Treibhausgasemissionen durch den Auslandstourismus der Deutschen betrugen in den 1990er Jahren ca. 60 Mio Tonnen pro Jahr, was etwa 6% der gesamten deutschen Emissionen entsprach. Hinzu kamen 16 Mio Tonnen durch den Inlandstourismus.5

Auf der anderen Seite ist der Tourismus einer derjenigen Wirtschaftszweige, die vom Klimawandel besonders stark betroffen sind bzw. sein werden. Grob gesehen kann man drei Bereiche des Tourismus unterscheiden: den Sommertourismus, den Wintertourismus und den Städte- und Kulturtourismus. Während der Städte- und Kulturtourismus relativ unabhängig von klimatischen Verhältnissen ist, stehen die beiden anderen Formen in direkter Abhängigkeit von Wetter und Klima in den bereisten Regionen. Für den Wintertourismus sind geeignete Schneebedingungen die entscheidende Voraussetzung. Voraussetzungen für den sommerlichen Badetourismus sind dagegen warme Wasser- und Lufttemperaturen, die andererseits aber auch eine gewisse Grenze nicht überschreiten sollten.

Anmerkungen:
1. Scott, D., S. Gössling, and C. M. Hall (2012): International tourism and climate change, WIREs Climate Change 3, 213-232, DOI: 10.1002/wcc.165
2. United Nations World Tourism Organization UNWTO: International tourism hits one billion
3. Eigene Darstellung; Daten nach UNEP: Climate Change and Tourism - Responding to Global Challenges [Seite nicht mehr vorhanden!]
4. UN World Tourism Organization UNWTO, UN Environmental Programme UNEP, and the World Meteorological Organization WMO (2008): Climate Change and Tourism – Responding to Global Challenges [Seite nicht mehr vorhanden!]
5. Marc Zebisch; Torsten Grothmann; Dagmar Schröter; Clemens Hasse; Uta Fritsch; Wolfgang Cramer (2005): Klimawandel in Deutschland: Vulnerabilität und Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme (Umweltbundesamt)

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