Meeresspiegelanstieg durch Wasserzufuhr (eustatisch)

Meeresspiegelanstieg durch Wasserzufuhr (eustatisch)

Gletscher und Eiskappen
Die Veränderung von Gletschern und Eiskappen ist im Abschnitt über die Kryosphäre dargestellt. Ihr Beitrag am Meeresspiegelanstieg lag zwischen den Jahren 1961 und 2003 bei 0,5 cm pro Jahrzehnt und hat sich im Jahrzehnt 1994-2003 auf 0,93 cm erhöht und damit nahezu verdoppelt.1 Er war damit in den letzten 50 Jahren etwa so groß wie der durch die thermische Ausdehnung des Meerwassers und lag im letzten Jahrzehnt etwas darunter. Den größten Anteil leisteten mit 0,15 cm die Gletscher in Alaska, gefolgt von den Gletschern und Eiskappen auf den arktischen Inseln.2 Das Kalben von Eisbergen, das 10 bis 40% des Massenverlustes ausmachen kann, ist dabei nicht berücksichtigt. In diese Rechnung sind auch die Gletscher im Randbereich der großen Eisschilde mit einbezogen.3

Meeresspiegelanstieg durch das Schmelzen von Gletschern und Eiskappen 1961-2003
Abb. 1:
Meeresspiegelanstieg durch das Schmelzen von Gletschern und Eiskappen 1961-2003. Blaue Kurve: jährlicher Anstieg in mm pro Jahr; rote Kurve: kumulativer Anstieg in mm pro Jahr.4

Grönland und Antarktis
Ist der IPCC-Bericht von 2001 noch davon ausgegangen, dass die Eismasse der Antarktis durch mehr Schneefall zunimmt und der Meeresspiegel dadurch geringfügig sinkt und dass der Beitrag Grönlands verschwindend gering sei,5 so werden in den letzten Jahren für beide Eisschilde deutlich positive Beiträge diskutiert. Im Mittel zeigt die aktuelle Literatur einen Meeresspiegelanstieg von 0,35 cm pro Jahrzehnt durch Grönland und die Antarktis über die letzten Jahrzehnte, d.h. ungefähr ein Zehntel des Gesamtanstiegs.6 Wie im Abschnitt über die Kryosphäre dargestellt, zeigen neuere Untersuchungen einen zunehmenden Beitrag Grönlands zum Meeresspiegelanstieg, der von 0,23 cm pro Jahrzehnt Mitte der 1990er Jahre auf 0,57 cm pro Jahrzehnt zehn Jahre später zugenommen hat. Zwei Drittel davon gehen auf das Konto der Eisdynamik, die bisher unterschätzt wurde und von Klimamodellen nicht abgebildet wird.

Inwieweit die Antarktis gegenwärtig zu einem Anstieg oder zu einem Absinken des globalen Meeresspiegels beiträgt, ist umstritten. Mit Sicherheit sind Eisdynamik und Schmelzprozesse in der kleineren Westantarktis positiv am Meeresspiegelanstieg der letzten Jahrzehnte beteiligt. Schätzungen belaufen sich auf 0,2 cm und mehr pro Jahrzehnt.7 Eine offene Frage ist aber, inwieweit dieser Wert durch eine Zunahme der Eismasse der größeren Ostantarktis ausgeglichen oder übertroffen wird. Höhenmessungen durch Satelliten haben ergeben, dass durch zunehmenden Schneefall der Eismassenzuwachs der Ostantarktis zu einer Absenkung des Meeresspiegels geführt hat.8 Eine aktuelle Untersuchung des Antarktischen Schneefalls seit den 1950er Jahren kam allerdings zu dem Ergebnis, dass sich dieser trotz höherer Temperaturen im Winter nicht signifikant geändert hat.9 Dazu würden Schwerkraftmessungen von Satelliten in den Jahren 2002-2005 passen, die für die gesamte Antarktis einen Massenverlust von 152 km3 pro Jahr ergeben haben, was einem Anstieg des Meeresspiegels um 0,4 mm jährlich entsprechen würde.10 Eine aktuelle Literaturstudie, die die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden berücksichtigt, kommt zu dem Ergebnis, dass die Eismasse der Ostantarktis durch Schneefall um 25 Gt (Gigatonnen = Milliarden Tonnen) pro Jahr zu-, die Westantarktis jedoch um 50 Gt pro Jahr abnimmt.11

Anmerkungen:
1. Dyurgerov, M. and Meier, M.F. (2005): Glaciers and the Changing Earth System: a 2004 snapshot
2. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Untersuchung von Arendt, A.A., K.A. Echelmeyer, W.D. Harrison, C.S. Lingle, and V.B. Valentine, (2002): Rapid Wastage of Alaska Glaciers and Their Contribution to Rising Sea Level. Science 297, 382-386
3. Vgl. die Begründung bei Meier, F., D.B. Bahr, M.B. Dyurgerov, & W.T. Pfeffer, W.T. (2005): Comment on 'The potential for sea level rise: New estimates from glacier and ice cap area and volume distributions'. Geophys. Res. Lett. 32, L17501, doi:10.1029/2005GL023319 (2005)
4. verändert nach Dyurgerov, M. and Meier, M.F. (2005): Glaciers and the Changing Earth System: a 2004 snapshot
5. IPCC (2001): Climate Change 2001: The Sientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge and New York 2001, Figure 11.9
6. Shepherd, A., and D. Wingham (2007): Recent Sea-Level Contributions of the Antarctic and Greenland Ice Sheets, Science 315, 1529-1532
7. Thomas, R. et al. (2004): Accelerated Sea-Level Rise from West Antarctica, Science 306, 255-258
8. Davis, C.H., Y. Li, J.R. McConnell, M.M. Frey and E. Hanna, 2005: Snowfall-driven growth in East Antarctic ice sheet mitigates recent sea-level rise. Science, 308, 1898-1901
9. Monaghan, A.J. et al. (2006): Insignificant Change in Antarctic Snowfall Since the International Geophysical Year, Science 313, 827-831;
10. Velicogna, I., and J. Wahr (2006): Measurements of Time-Variable Gravity Show Mass Loss in Antarctica, Science 311, 754-1756
11. Shepherd, A., and D. Wingham (2007): Recent Sea-Level Contributions of the Antarctic and Greenland Ice Sheets, Science 315, 1529-1532

Autor: