Meeresspiegelanstieg in Süd-, Südost und Ostasien

Meeresspiegelanstieg in Süd-, Südost und Ostasien

In Asien sind vor allem die großen Megadeltas gefährdet, die mit 284 000 km2 etwa die Hälfte der Fläche der großen Deltas der Welt ausmachen und in denen 222 Millionen Menschen leben.1 Schon heute steigt der Meeresspiegel an den Küsten der asiatischen Deltas mit 4,6 mm pro Jahr stärker als an anderen Deltaküsten, was nicht zuletzt durch die Absenkung infolge verminderter Sedimentation, Grundwasserentnahme und Bodenbelastung bedingt ist. Aufgrund der dichten Besiedlung sind hier bis 2050 etwa 6,7 Millionen Menschen gefährdet, davon 3,5 Millionen im Ganges-Bramaputra-Delta am Golf von Bengalen und 1,9 Millionen im Mekongdelta. Eine weitere Gefahr besteht durch das Eindringen von Salzwasser in küstennahes Grundwasser. Dieser Prozess ist bereits heute vor allem in Indien, Bangladesch und China zu beobachten und wird durch die zunehmende Übernutzung der Süßwasservorräte beschleunigt.2

Deltas in S- und SO-Asien


Abb. 1: Durch den Meeresspiegelanstieg gefährdete Regionen in S- und SO-Asien mit einer geringen Erhebung über dem Meeresspiegel B1

Von den asiatischen Staaten ist Bangladesch durch einen Meeresspiegelanstieg am stärksten bedroht.3 Bangladesch ist eines der ärmsten Staaten der Welt, das an der weltweiten Emission von Treibhausgasen mit nur 0,2 Tonnen CO2 pro Jahr bzw. 0,06% beteiligt ist. Etwa 10% des Staatsgebietes liegt nur 1 m über dem mittleren Meeresniveau und ein Drittel unter dem Gezeitenhub. Außer im Nordosten und Südosten hat das Land eine sehr niedrige und flache Topographie und wird weitgehend von dem von zahllosen Flüssen und Kanälen durchzogenen Ganges-Bramaputra-Delta eingenommen. Die Küstenzone umfasst etwa 47 000 km2, was einem Drittel des Staatsgebietes entspricht. Von der Küstenzone, die einen Streifen von 30 bis 195 km vom Meer umfasst, liegen 62% unter 3 m und 86% unter 5 m über dem Meeresspiegel. Hier leben 35 Millionen Menschen bzw. 28% der Bevölkerung Bangladeschs. Die Bevölkerungsdichte beträgt mit 743 Einwohnern pro km2 mehr als das Dreifache der Einwohnerdichte Deutschlands.

Hauptartikel: Hochwasser im Ganges-Brahmaputra-Meghna-Delta

Anmerkungen:
1.
Vgl. (auch zu dem Folgenden) Ericson, J.P., C. J. Vörösmarty, S.L. Dingman, L.G. Ward, M. Meybeck (2006): Effective sea-level rise and deltas: Causes of change and human dimension implications, Global and Planetary Change 50, 63-82
2. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2006):Die Zukunft der Meere - zu warm, zu hoch, zu sauer, Sondergutachten, Berlin, S. 19 ff
3. Vgl. zu dem Folgenden vor allem Mohal, N., Z.H. Khan, N. Rahman (2006): Impact of Sea level Rise on Coastal Rivers of Bangladesh, International Riversymposium, Brisbane (http://www.riversymposium.com/index.php?element=06MOHALNasreen); Sarwar, M.G.M., Impacts of Sea Level Rise on the Coastal Zone of Bangladesh. Master’s in Environmental Science thesis, Lund University, Sweden. 2005.

Bildquellen:
B1. Quelle: Di Liberto, T., NOAA Climate.gov (2017): Cyclone Mora hits vulnerable Bangladesh; Lizenz: public domain

Autor: