Meeresspiegelanstieg in Afrika

Meeresspiegelanstieg in Afrika

In Afrika sind besonders das Nildelta in Ägypten mit den beiden großen Städten Alexandria und Port Said gefährdet. Das Afrika südlich der Sahara ist zwar von allen Großregionen der Dritten Welt am wenigsten durch einen Meeresspiegelanstieg betroffen1; dennoch gibt es einige wichtige Ausnahmen. So sind Teile der Küste Westafrikas und am Golf von Guinea, z.B. in Gambia, Gabun und Nigeria, bei einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 m und mehr bedroht. Weitere Brennpunkte sind die Küsten von Mosambik, Kenia und Somalia.

Das rund 24 000 km2 große Nildelta nimmt zwar nur 2,3% der Fläche Ägyptens ein, umfasst aber 46% der landwirtschaftlich genutzten Fläche und 50% der Bevölkerung des Landes und ist damit der wichtigste Wirtschaftsraum Ägyptens.2 In ihm liegen die Millionenstadt Alexandria und die Halbmillionenstadt Port Said besonders exponiert. Anthropogene Eingriffe haben hier seit Jahrtausenden den Naturraum verändert, in jüngster Zeit durch den Bau des Assuanstaudamms am Oberlauf des Nils und die zunehmende Grundwasserentnahme vor Ort. Grundwasserentnahmen, aber auch Bautätigkeiten führen zur Bodenabsenkung, die kaum ausgeglichen werden, da der Assuandamm die Sedimentfracht des Flusses weitgehend im Oberlauf zurückhält. Vom Mittelmeer ist das unter NN liegende Nildelta nur durch einen schmalen Sandgürtel geschützt. Bei einer Zerstörung dieses Sandgürtels durch einen Meeresspiegelanstieg würden wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen überflutet, Grundwasserreservoire versalzen und ökonomisch wichtige Einrichtungen zerstört. Schon bei einem Meeresspiegelanstieg um 50 cm würde die Versalzung des Grundwassers um 9 km landeinwärts vordringen.3 Bei einem Anstieg von 1 m wären 10% der Bevölkerung und 12,5% der Agrarfläche Ägyptens betroffen, bei einem Anstieg von 5 m 20% bzw. 35 %.4 Die Folgen für die Menschen des Nildeltas wären der Verlust von Arbeitsplätzen und Umsiedlungen im größeren Stil.

Nildelta: Küstengebiete, die bei einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 bzw. 1 m überschwemmt würden
Abb. 1:
Das Nildelta. Gezeigt sind Küstengebiete, die bei einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 bzw. 1 m ohne Schutzmaßnahmen überschwemmt würden.5

Alexandria ist mit über 4 Millionen Einwohnern nach Kairo die zweitgrößte Stadt Ägyptens, besitzt den größten Hafen des Landes und steht für 40% der Industrieanlagen. Es wird zum offenen Meer hin durch einen 63 km langen Strand abgeschlossen und ist auf einer niedrigen Küstenebene erbaut, die in einigen Bereichen unterhalb des Meeresspiegels liegt, die heute von Natur aus oder durch künstliche Dämme geschützt sind. In den unter NN liegenden Gebieten leben heute 45% der Bevölkerung der Stadt und liegen 54% der Industrieanlagen und 45% der Dienstleistungseinrichtungen. Falls keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden, würden bei einem Meeresspiegelanstieg um 50 cm 67% der heutigen Bevölkerung Alexandrias in Gebieten leben, die dann überschwemmt sein würden. Und 66% der Industrieanlagen sowie 76% der Serviceeinrichtungen würden sich in solchen Zonen befinden, wodurch mit einem großen Verlust an Arbeitsplätzen gerechnet werden muss.6

Auswirkungen unterschiedlicher Meeresspiegelanstiegs-Szenarien für Alexandria
Tab. 1:
Auswirkungen unterschiedlicher Meeresspiegelanstiegs-Szenarien für Alexandria7

Südlich der Sahara sind vor allem Gambia und Mauretanien durch einen Meeresspiegelanstieg gefährdet, aber auch Guinea-Bissau. Nach Einschätzung der Weltbank wären bei einem Anstieg von 1 m in Gambia 3%, in Mauretanien 8% der Bevölkerung betroffen, bei einem Anstieg um 5 m allerdings 22% bzw. 21% (s. Abb. 2). Bei einem 5m-Anstieg sind die Feuchtgebiete in Gambia und Senegal stark gefährdet und neben der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Gambia und Mauretanien auch die von Guinea-Bissau.8

Von einem potentiellen Meeresspiegelanstieg bis 2100 betroffene Bevölkerung, Agrarfläche und Bruttosozialprodukt
Abb. 2:
Von einem potentiellen Meeresspiegelanstieg bis 2100 betroffene Bevölkerung, Agrarfläche und Bruttosozialprodukt bei den am stärksten gefährdeten Staaten Afrikas südlich der Sahara9

Anmerkungen:
1. Dasgupta, S., B. Laplante, C. Meisner, D. Wheeler, J. Yan (2007): The impact of sea level rise on developing countries : a comparative analysis (im Internet zugänglicher Weltbank-Report)
2. El Raey, K. Dewidar and M. El Hattab (1999): Adaption to the impacts of sea level rise in Egypt, Climate Research 12, 117-128
3. Brooks, N., Nicholls, R. und Hall, J. M. (2006): Sea Level Rise: Coastal Impacts and Responses. Externe Expertise für das WBGU-Sondergutachten "Die Zukunft der Meere - zu warm, zu hoch, zu sauer", Berlin:WBGU
4. Dasgupta, S., B. Laplante, C. Meisner, D. Wheeler, J. Yan (2007): The impact of sea level rise on developing countries : a comparative analysis (im Internet zugänglicher Weltbank-Report)
5. Verändert nach GRID Arendal (2005): Potential impact of sea level rise: Nile Delta
6. El Raey, K. Dewidar and M. El Hattab (1999): Adaption to the impacts of sea level rise in Egypt, Climate Research 12, 117-128
7. El Raey, K. Dewidar and M. El Hattab (1999): Adaption to the impacts of sea level rise in Egypt, Climate Research 12, 117-128
8. Dasgupta, S., B. Laplante, C. Meisner, D. Wheeler, J. Yan (2007): The impact of sea level rise on developing countries : a comparative analysis (im Internet zugänglicher Weltbank-Report)
9. verändert nach Dasgupta, S., B. Laplante, C. Meisner, D. Wheeler, J. Yan (2007): The impact of sea level rise on developing countries : a comparative analysis (im Internet zugänglicher Weltbank-Report)

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