1. Um welche Fragen geht es?

Philosophieren mit Kindern - Zur Konzeption des Unterrichts von Ekkehard Martens Hamburg

Der Streit, ob Schülerinnen und Schüler eher Ethik- oder Philosophieunterricht erhalten sollten (oder auch "Praktische Philosophie", "Werte und Normen", "Lebensgestaltung - Ethik -Religionskunde"), und dies möglicherweise von der Grundschule an, ist bundesweit noch längst nicht entschieden. Man könnte sich zwar vermutlich relativ schnell darauf verständigen, dass die Bezeichnung des neuen Faches eher zweitrangig sei, und sich auf eine Kompromissformel mit alternativer Akzentsetzung einigen: Philosophisch orientierter Ethik-Unterricht oder ethisch orientierter Philosophieunterricht, jeweils angereichert mit einer Prise Religion als unverzichtbares Kulturgut oder Orientierungsangebot. Will man aber nicht mit einer scheinbar unproblematischen Kompromissformel die ungeklärten pädagogischen und fachlichen Fragen zudecken, ist das Verhältnis von Ethik, Religion und Philosophie für das neue Fach genauer zu bestimmen. Die leitende Frage ist hierbei nicht, welches Fach die Schülerinnen und Schülerinnen erhalten sollen, sondern welches Fach sie brauchen oder welchen Philosophie- bzw. Ethikunterricht, falls es überhaupt ein eigenes Fach geben soll. Und noch vor allen Fachfragen ist die Sachfrage zu klären, um welche Philosophie es dabei gehen soll.

Es gibt nicht "die" Philosophie. Philosophie kann vielmehr im breiten Spektrum von einem freien, selbstzweckhaften Denken über ein lustvolles Gedankenspiel bis hin zu einem beliebigen, auch ideologisch einsetzbaren Begriffs- und Argumentations-Instrumentarium und einer hochkomplizierten, traditionsreichen Fachdisziplin vieles sein, und sie kann für vieles nützlich oder brauchbar sein. Sie kann und sollte aber in der Schule in ihrer unverzichtbaren Dienst-Leistung in praktischer, orientierender Hinsicht genutzt werden.