Sie gaben mir drei Tage Zeit, um aus Deutschland rauszukommen

Ich kam genau zu der Zeit aus dem Gefängnis, als 1938 die Pogrome waren. Nach der Haftentlassung habe ich großes Glück gehabt.

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Sie gaben mir drei Tage Zeit, um aus Deutschland rauszukommen. Meine Eltern hatten seit Jahren alles für die Flucht vorbereitet. Der Antrag, nach England zu emigrieren, lief so schon lange und wurde gerade noch rechtzeitig als Einwanderungsgenehmigung bewilligt. Das wusste die GeStaPo nicht. Drei Tage später kam die SS zu uns nach Hause, doch wir waren weg. Das habe ich unter anderem unserem Rudi zu verdanken, seinem Auftreten vor Gericht.

Die GeStaPo hat immer Unterschiede gemacht zwischen ihnen und uns - zwischen Juden und Nichtjuden. Sie haben immer versucht, uns gegeneinander auszuspielen. Bevor wir rauskamen aus dem KZ Fuhlsbüttel, wurden wir alle noch einmal versammelt und hörten den GeStaPo-Leiter sagen: 'Hier, dieser, (damit meinte er mich) der hat immer versucht, sich reinzuwaschen auf eure Kosten. Ihr aber seid Deutsche und werdet eines Tages lernen, dass wir die richtige Regierung haben und dann werdet ihr zu uns stehen.' Aber in den Gesichtern der Leute konnte man sehen, dass sie alle auf meiner Seite waren, keiner hat dem GeStaPo-Mann geglaubt. Diese Gesichter sprachen Bände, dieses Zuwinken mit den Augen. Es ist schön zu wissen, was für Deutsche es gegeben hat. Das ist viel zu wenig bekannt. Sie waren in der Minderheit, aber sie waren großartig. Zu denen gehörte Rudi. Er war der Leiter, der Älteste, aber es gab viele andere.

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