Jugendbewegung und Widerstand

Rudolf Mokry war in der Widerstandsbewegung in Bezug auf Aktivität und Einsatzbereitschaft ein entscheidender Mann.

Hamburg Geschichte Jugendbewegung

Er hat zu seinen Genossen ein menschliches Verhältnis gehabt, hat allerdings auch hart Kritik geübt an seiner Partei und am deren Kurs. So hat er auf seine eigene humane und weitherzige Art die Gruppe auf den Weg gebracht. Ich war beim 'Schwarzen Fähnlein', der jüdischen Jugendbewegung. Durch die naheliegende Freundschaft zu Linken, die nach 1933 zu mir gehalten haben, bin ich auf den Weg gekommen, mit Mokry zusammenzuarbeiten. Das war für mich eine vollkommen logische Angelegenheit.

Ich gehörte seit 1929 der Jugendbewegung an, genauer, einer nichtzionistischen Gruppe. Das ist heute nicht mehr allen so klar. Die meisten deutschen Juden waren keine Zionisten. Das macht auch ihr Verhalten nach 1933 verständlich, als es ihnen schwerfiel, einzusehen, dass es Deutsche gab, die sich so grauenhaft benehmen konnten. Es war ihnen unverständlich. Die jüdischen Männer waren im 1. Weltkrieg gewesen, sie haben das deutsche Schicksal mit geteilt. Für sie war es unbegreiflich, dass man nicht anerkennen wollte, dass sie auch eingestanden haben für dieses Land. Ich kann meinen Vater irgendwie verstehen, aber ich war schon ganz anders. 1933 bin ich 18 Jahre alt gewesen und hatte eine große Abneigung gegen diese Rassisten. Ich hatte ganz viele Freunde, die nicht Antisemiten waren. Deshalb ist es überhaupt möglich gewesen, so eine große Widerstandsgruppe zusammenzubringen. Es konnte einen ja den Kopf kosten, wenn man verhaftet wurde. Wer da mitmachte, zeigte echte antinazistische Gesinnung. Und das waren viele in der Hamburger Arbeiterjugendbewegung!

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