Diese Gemeinschaft hat mich unheimlich geprägt.

Jetzt können Sie sich vielleicht vorstellen, was für ein Zusammenhalt in unserer Jugendbewegung war.

Hamburg Geschichte Jugendbewegung

Das hatte ich damals auch noch nicht erfasst als 18 jähriger. Es war ein Schutz- und Trutzbündnis, eine Notgemeinschaft äußerster Art, aber auch ein herrliches Jugendleben. Wie die zu mir gehalten haben, wie ich zu ihnen gehalten habe, welch eine Vertrauensbasis! Junge, Vater, Onkel und Großvater, alles war man zusammen. Diese Gemeinschaft hat mich unheimlich geprägt. Das alles ist in den Jahren nach 1933 durch den furchtbaren Druck und den Terror abgetötet worden. Die Menschen, die vorher gemeinsam stark waren, wurden vereinzelt.

...für mich ein menschliches Vorbild

Meine Vorbilder waren im Grunde kantianische. Meine Ideen kommen aus der deutschen Jugendbewegung. Da ist der Hohe Meißner. Das war um 1920 der große Treffpunkt der Wandervogel- und Jugendbewegung. Dort, in der Nähe von Kassel, sind die Grundlagen gelegt worden. Es war die stärkste Zeit der deutschen Jugendbewegung. Die Sätze hießen: 'Aus eigener Bestimmung - vor eigener Verantwortung - mit innerer Wahrhaftigkeit. Das war eine Charakterschulung und die Ideale, die stecken immer noch in mir drin. Die stecken eigentlich in jedem, der die Jugendbewegung ernst genommen hat und bleiben auch immer lebendig.

Als solcher bin ich in den Widerstand gegangen, als solcher habe ich mit kommunistischen Jugendlichen zusammengearbeitet. Wir waren wunderbare Freunde. Als solcher ist Rudolf Mokry für mich ein menschliches Vorbild. Er war ein toleranter Mensch, der versuchte, neue Wege zu beschreiten, weil die alten Wege für ihn falsch waren. Dabei blieb er immer Kommunist. Ich würde ihm sehr unrecht tun, wenn ich das nicht betonte. Es wird vielleicht viele Menschen stören, aber ich bin es diesem Menschen schuldig. Man soll heute solche Menschen ehren. Weil eben nicht alle Deutsche so gehandelt haben in der Zeit.
vergrößern Seit 1991 ist in Wilhelmsburg eine Straße nach Rudolf Mokry benannt (Bild: Hamburger Bildungsserver)
Abb.5: Seit 1991 ist in Wilhelmsburg eine Straße nach Rudolf Mokry benannt.












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