Sozialdemokratischer Widerstand am Dulsberg

Im Gegensatz zu kleineren sozialistischen Gruppen wie Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) und die vorstehend genannte Thalheimer Gruppe (KPD/O) waren die Sozialdemokraten weniger auf die illegale Arbeit vorbereitet. Dies trifft auch auf den Dulsberg zu, obwohl die sozialdemokratische Widerstandsarbeit hier wie in Barmbek im Reichsbanner ­ Schutzformationen (Schufos) überdurchschnittlich intensiv war und bis 1937 andauerte.

Hamburg Geschichte Widerstand

Der aktive Widerstand wurde von Funktionären der mittleren Ebene, Distrikts- und Bezirksverantwortlichen organisiert, die nach dem Verbot anfingen, bestehende Gruppen zu sammeln und neue aufzubauen. In der Illegalität wurde nur ein kleiner Kreis von zuverlässigen Mitarbeitern erfasst. Organisator der neuen sozialdemokratischen Bezirksleitung war Walter Schmedemann (Eilbek), der beruflich wie sein Bruder Willi Schmedemann als Krankenpfleger in den Friedrichsberger Anstalten beschäftigt war. Im Mittelpunkt der politischen Arbeit standen Aufklärung und politische Schulung. Hierzu gehörte auch die Verteilung von dem aus dem Umland eingeschmuggelten illegalen Druckschriften, Kurierdienste und die Entwicklung von Fluchtlinien für gefährdete Personen ins Ausland (Dänemark). Zur Unterstützung inhaftierter Mitkämpfer und deren Angehöriger und zur Finanzierung der politischen Arbeit wurden Beiträge eingesammelt.

In Dulsberg und Barmbek wurde die sozialdemokratische illegale Arbeit vor allem auf Gruppen getragen, die überwiegend aus Reichsbanner- und Schufoleuten bestanden. Diese wurden am Anfang von 10-15 Mitgliedern gebildet. Nach den Erfahrungen in der Illegalität und den ersten Verhaftungen wurde die Arbeit in Kleingruppen mit drei oder fünf Leuten organisiert. Dabei kannten sich nur zwei bis vier Personen, und allein der Gruppenleiter hatte Kontakt zur nächsthöheren Ebene. Aufgrund dieser Organisationsform blieben einige Schufos längere Zeit der Gestapo verborgen. Hierzu gehörte auch die Schufo 11 (Barmbek ­ Süd, östlich der Hamburger Straße, Dehnhaide) unter Otto Grot, zu deren Organisationsgebiet auch der Dulsberg gehörte.

In der Reichsbannerkameradschaft 11 bildeten die Dulsberger die Abteilung B. Leiter des illegalen Widerstandes der Sozialdemokraten am Dulsberg war der Gewerkschafter Peter Haß, der diese Funktion auch nach seiner Emigration 1934/35 zusammen mit seinem bereits vorher emigrierten Bruder Otto Haß wahrzunehmen versuchte. Dabei gab es innerhalb der sozialdemokratischen Widerstandsgruppen am Dulsberg durchaus unterschiedliche Meinungen, sowohl was die Führung des Kampfes wie die Qualität des eingeschmuggelten Materials anging.

Mit fortschreitender Festigung des nationalsozialistischen Systems wurde die Widerstandsarbeit immer risikoreicher. Bei einer Verhaftungswelle  wurden aus den Frankschen Laubenganghäusern (u.a. Roschmann, Bokamp) und den Straßen im Bereich Elsässer Straße und Nordschleswiger Straße/Alter Teichweg insgesamt etwa 15 Sozialdemokraten (darunter Stamer, Kretschmar und Hans Huth) unter anderem wegen Verbreitung illegaler Druckschriften verhaftet und zum Teil zu langjährigen Zuchthaus und Gefängnisstrafen verurteilt.

Als eine der letzten Gruppen des nationalsozialistischen Widerstandes wurde 1937 die Widerstandsgruppe der Schufo 11 aufgedeckt, in der sowohl Barmbeker wie Dulsberger vertreten waren. Wie Otto Grot festhielt, wurden 40 Mitglieder der Schufo 11 in vier Prozessen im Januar 1938 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Polizeiaufsicht verurteilt.

August Bode gibt die Zahl der verurteilten Sozialdemokraten aus dem Widerstand auf dem Dulsberg mit mindestens zwanzig an.

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